
Eine Tür der alten Sheddachhalle in Kempten, Lizenz: CC-BY-3.0-DE, Urheber: Benutzer High Contrast von Wikimedia Commons, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Door_in_Kempten.jpg
Ja, es hat sich in Kempten schon breit herumgesprochen. Unsere Stadt ist Kandidat für das Bayerische Landesmuseum für Geschichte. Zunächst kläre ich auf was es ist: Meines Wissens befindet sich in Bayern noch kein so ein Museum. Seehofer (CSU) hat vor wenigen Jahren darauf hingewiesen, dass eines zum 100-jährigen Jubiläum des Freistaats Bayern notwendig wird. Dabei wurde auch ein Wettbewerb ausgeschrieben. Kempten hat sich neben Würzburg, Augsburg und vielen weiteren Städten dafür beworben. Nun läuft die Auswahlphase.
Die Stadt Kempten will das Museum in der alten Sheddachhalle an der Iller unterbringen. In diesem Areal war bis in die 1990er Jahre die Textilindustrie im Gange. Doch wegen der preisgünstigeren Konkurrenz aus Asien mussten die Fabriken aus der Zeit der Industrialisierung geschlossen werden. Seither hat sich dort nicht viel getan. Letztes Jahr wurde das neue und schicke Wasserkraftwerk in Betrieb gesetzt, das Gebäude auf der anderen Illerseite wird aufwändig repariert und für Wohnzwecke umgebaut. Doch die Sheddachhalle blieb weiterhin unbeobachtet. Es bildeten sich Risse in der Backsteinfassade, Bäume fanden neuen Platz in der Fassade. Alles nicht gerade sehr günstig für das denkmalgeschützte Gebäude. Teilweise wollten Investoren Teile davon abreißen und nur die Fassade zur Iller hin stehen lassen.
Warum die Sheddachhalle und warum überhaupt Kempten?
Die Sheddachhalle ist unpraktisch für alles andere außer ein Museum. Die Fläche von etwa 15.000 m² ist ideal und praktisch für Museen. Das durchglaste Dach lässt viel Sonnenlicht rein und ist ideal für Solarpanele. Zudem befindet sich die Sheddachhalle in einer historischen Umgebung: Kempten ist eine der ältesten deutschen Städten. Zudem das Areal: Weniger daneben steht die 1851 erbaute König-Ludwig-Brücke die für den Schienenverkehr erbaut wurde. Später wurde sie als Autobrücke verwendet. Heute nur noch als Rad- und Fußgängerbrücke. Grund sind die zwei auch bedeutenden Brücken. Dazu später mehr. Sie ist die einzige nach dem Howe-Prinzip erbaute Brücke in Deutschland. Nun zu den bereits erwähnten Brücken. Diese wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut und sind die größten Stampfbetonbrücken der Welt. Zusätzlich wurden in den Fabriken in der Umgebung Zwangsarbeiter in der Zeit des 2. Weltkriegs eingesetzt. Hauptsächlich Juden des KZ Dachau. All diese prunkvolle aber leider auch unschöne Fakten unterstützen die Benutzung des Gebäudes sehr.
Ich unterstütze diese Aktion sehr stark. Es wäre schade, wenn die Sheddachhalle weiterhin ohne Verwendung bleiben müsste. Letztlich müsste man sie abreißen weil sie evtl. einsturtzgefährdet sein könnte. Der Aufwand der Instandsetzung wird sich garantiert lohnen.
Alofok
Pingback: Hildegardplatz wieder im Gespräch | ALOFOK